Schaffermahlzeit seit 1952
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Das war immer so:Frauen haben auf der Schaffermahlzeit des Hauses Seefahrt nichts zu suchen. Die Anwesenheit der Damen führte sogar einmal zu Verstimmungen unter den Schaffern. So wurde im Jahre 1850 geklagt, es haben sich in einem nicht mehr zu duldendem Grade der Missbrauch eingeschlichen, dass "bei der Gelegenheit der grossen Schaffermahlzeit eine grosse Anzahl von Frauenzimmern in den grossen Vorzimmern sich einfänden und bewirten liessen, wodurch den Schaffern eine ungebührliche, mit der übrigen ja stets aus drücklich bewahrten Einfachheit dieses Festes unvereinbare Last erwachse".
Man beschloss, künftig das Vorzimmer nicht mehr zur Bewirtung von Damen einzuräumen. Doch man hatte die Rechnung ohne die Frauen gemacht, und seit der Abhaltung der Mahlzeiten im Seefahrtshof gehört es zur unverbrüchlichen Tradition, dass für dreissig Damen gedeckt wird, von denen die drei kaufmännischen und sechs Schifferschaffer je drei und die Frauen des Hausverwalters zwei gebeten haben. Kein Wunder also, dass die alten Kapitäne des Hauses Seefahrt etwas grantig werden, wenn man sie darauf anspricht, dass Frauen bei der Schaffermahlzeit nicht dabei sind. Die Kapitäne verstehen die Frage gar nicht. Aber wenn nun einmal - manche Leute können ja taktlos fragen -, wenn nun einmal eine Frau zum Bundespräsidenten gewählt würde, was ja immerhin möglich sei? Sitzt die dann auch nebenan? Bundespräsidenten sind bisher immer zu Schaffermahlzeiten eingeladen worden. Die alten Kapitäne bringt das nicht aus ihrer Ruhe. "Wir sind", sagen sie, "nicht verpflichtet, einen Bundespräsidenten einzuladen. Das steht nirgends geschrieben." Kritisch könnte es allerdings werden, wenn es einmal in Bremen eine Frau als Präsident des Senats gäbe, die mit ihrer Funktion zugleich "Hausherr" wäre im Rathaus, dem Schauplatz der Schaffermahlzeit. Es hat sich so ergeben, dass der Hausherr zum Essen eingeladen wird - und dann eine Frau?
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